Entwicklungsgruppe klinische Neuropsychologie (EKN)
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Neuronale Kontrolle sprachlicher und nichtsprachlicher Bewegungen des Sprechbewegungsapparates: Klinische Untersuchungen

Dr. Anja Staiger & Prof. Dr. Wolfram Ziegler

Kontakt: anja.staiger@ekn-muenchen.de

Klinische Kooperationspartner:

  • Neurologische Klinik der Universität Tübingen, Prof. Dr. H. Ackermann, Dr. Bettina Brendel
  • PSP-Ambulanz und Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin, Klinikum Großhadern, München, Prof. Dr. med. S. Lorenzl
  • Neurologische Klinik, Klinikum Großhadern, München, Prof. Dr. med. K. Bötzel

Studentische Hilfskräfte:

Verena Schneider, Stefanie Schmid

 

Theorien zur neuronalen Organisation des Sprechens sind vielfach von der Vorstellung geprägt, die Steuerungsprozesse für Sprechbewegungen und für nichtsprachliche Bewegungen der am Sprechen beteiligten Strukturen (Lippen, Zunge, Unterkiefer, Gaumensegel, Rachen, Kehlkopf und Atmungsapparat) seien identisch oder zumindest überlappend. Nach diesem Modell wäre zu erwarten, dass Störungen einer Bewegungsfunktion (z.B. Sprechen) immer auch mit Störungen weiterer Bewegungsfunktionen verbunden sind (z.B. Kauen und Schlucken, emotionaler Ausdruck, Willkürbewegungen wie Pusten, Pfeifen, Hauchen).

Dieser Vorstellung folgen auch einige klinische Modelle der Dysarthrie (neurologische bedingte Sprechstörung) sowie Ansätze zu deren Diagnostik und Therapie. So zählt die Untersuchung nichtsprachlicher Bewegungsfunktionen des Sprechbewegungsapparates noch immer zum Standard der funktionsbezogenen Dysarthriediagnostik (z.B. Frenchay-Dysarthrie-Untersuchung; Enderby, 2004). Auch finden Übungsmethoden, die auf nichtsprachlichen mundmotorische Aufgaben basieren in vielen Therapiebereichen bis heute breite Verwendung (z.B. Mackenzie et al., 2010).

aufgaben

Dem gegenüber sprechen klinische Dissoziationen (z.B. beeinträchtigte Sprechmotorik bei relativ intakten nichtsprachlichen Leistungen) und zahlreiche andere theoretische Argumente für eine spezifische neuronale Organisation des Sprechens (z.B. Ziegler, 2003).

Mit der Studie möchten wir einen klinischen Beitrag zur Prüfung der Hypothese einer aufgabenspezifischen Organisation der Sprechmotorik leisten. Dazu wird eine umfangreiche Stichprobe von Patienten verschiedener ätiologischer Gruppen hinsichtlich des Bestehens sprechmotorischer (dysarthrischer) Beeinträchtigungen bzw. Störungen nichtsprachlicher Vokaltraktbewegungen untersucht. Die Studie schafft damit wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung einer theoretisch begründeten Dysarthriediagnostik.

Die an der Studie teilnehmenden ätiologischen Gruppen repräsentieren wichtige klinische Dysarthriesyndrome (paretisch, hypokinetisch, ataktisch) und deren Mischformen. Das Vorliegen einer Dysarthrie stellt jedoch kein Aufnahmekriterium dar. Damit wird es möglich, auch Patienten zu erfassen, die Störungen nichtsprachlicher Bewegungen aber keine Dysarthrie aufweisen. Als Kontrollpersonen werden neurologisch gesunde Probanden unterschiedlicher Altersgruppen untersucht.

aetiologie

Erweiterungen des Projekts:

Hinsichtlich der beschriebenen Fragestellung wird von Theresa Schölderle im Rahmen eines Promotionsstipendiums der Studienstiftung des Deutschen Volkes derzeit eine weitere Patientenstichprobe untersucht. Bei dieser Gruppe handelt es sich um Patienten mit infantiler Cerebralparese (ICP), einer neuerologischen Erkrankung des Kindesalters. In Kooperation mit: Integrationszentrum für Cerebralparesen (ICP), München, Prof. Dr. med. R. Lampe.

Die EKN ist des Weiteren an einer umfangreichen Studie zum Einfluss der Tiefen Hirnstimulation (THS) auf die motorischen Leistungen bei Patienten mit primärer Dystonie beteiligt (in Kooperation mit dem Klinikum Großhadern, Prof. Dr. med. Bötzel). Im Rahmen dieser Studie werden die Auswirkungen der THS auf die sprechmotorischen Leistungen sowie auf die Leistungen bei nichtsprachlichen Vokaltraktbewegungen untersucht.

Literatur:

  • Enderby, P. M. & Palmer, R. (2008). Frenchay Dysarthria Assessment. (2nd ed.) Austin, TX: Pro-Ed.
  • MacKenzie, C., Muir, M., & Allen, C. (2010). Non-speech oro-motor exercise use in acquired dysarthria management: regimes and rationales. International Journal of Language & Communication Disorders, 45, 617-629.
  • Ziegler, W. (2003). Speech motor control is task-specific: evidence form dysarthria and apraxia of speech. Aphasiology, 17, 3-36.

dfg Gefördert von der DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft (ZI469 / 15-1/2)